Hörspiele und Feature

Wanderer

Hörspiel von Werner Cee
SWR II 2021

Below me are the lights of the town, like a ship that can never depart. 

Im englischen Sprachraum existiert eine lange Tradition des „Nature Writing“, einer Art des Schreibens über die Natur, das Dokumentation und zugleich Dichtung ist.
 Dazu gehört auch „The Hill of Summer“ des Briten John Alec Baker aus dem Jahr 1969. Das Werk schildert eine Sommerlandschaft in Südengland. 
Die Magie dieser Literatur liegt im Unspektakulären. Kleinste, scheinbar unbedeutende Ereignisse werden zu universellen Allegorien, losgelöst vom definierten Ort zu einer bestimmten Zeit. Konsequenterweise hat Baker seine zugrunde liegenden Tagebuchaufzeichnungen nach der Veröffentlichung vernichtet. 

 Im Hörspiel öffnen die instrumentalen Klanglandschaften von Markus Stockhausen und Werner Cee suggestive Räume, verweben sich langsame musikalische Zeitverläufe ständig mit den beobachtenden, deutenden und metaphorischen Ebenen aus Bakers Schilderung, 
In überraschenden Wechseln der Perspektive durchdringen sich verschiedene Ebenen von Wirklichkeit und schaffen eine fremdartige, ambivalente Welt zwischen Idylle und Dystopie, scheinbar entrückt und dennoch sehr konkret. 



Deutsche Stimme Isabel Karajan 

Englische Stimme Neville Tranter 

Musik
Werner Cee: e-chin, Live-Elektronik
Markus Stockhausen: Flügelhorn, Trompete, Piccolo-Trompete, Live-Elektronik 

Deutsche Textbearbeitungen Bettina Obrecht 

de-symphonic

Klanglandschaft nach Ludwig van Beethoven 

Von Werner Cee
Mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Texte Marion Poschmann

Stimme: Lilith Stangenberg


Produktion: Deutschlandfunk Kultur/BTHVN2020/Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin/Hans-Flesch-Gesellschaft 2020
Länge: 48'28

Beethovens „Pastorale“ entstand kurz vor Beginn der Industrialisierung. In der Folge erlebte das Verhältnis des Menschen zur Natur einen radikalen Umbruch. Zum 250. Geburtstag des Komponisten kehrt der Radiokünstler Werner Cee die Perspektive um. Er mikrofoniert die Orchestermaschinerie wie ein Stück Natur: Mit mehr als 50 Mikrofonen wurden Hunderte von Takes aufgenommen. So lassen sich Instrumente, musikalische Motive und Stimmen, kleinste Nuancen hervorheben und isolieren. Perspektiven verschieben sich, es entfaltet sich eine Klanglandschaft zwischen romantischen Orchesterklängen, Field Recordings und Musique Concrète.
Als Kontrapunkt erklingen Texte der Lyrikerin Marion Poschmann. Ihre Naturbetrachtungen zeigen die widersprüchliche Sehnsucht unserer hochtechnisierten Gesellschaft nach unverfälschter Idylle.

WHEN WEATHER WAS WILDLIFE

Seit Menschengedenken existiert der Wunsch, ins Wettergeschehen auf der Erde einzugreifen. An die Stelle ritueller oder religiöser Wetterbeschwörungen ist heute ein unter Klimawissenschaftlern, Politikern, Wirtschaftsfachleuten und Militärs offen und konkret geführter Diskurs über die weltweite Beeinflussung der Atmosphäre bis hinauf in die Stratosphäre. Wetter verliert seinen "Wildlife"-Charakter.
Werner Cee beschäftigt sich schon seit Jahren mit diesem Thema und hat aus seinen Arbeitsmaterialien – altem genutzten wie ungenutzten sowie neuem Audiomaterial – den Soundtrack eines dystopischen Szenarios komponiert. Auf der Textebene collagiert er historische Zeugnisse (etwa von Lord Byron und Jón Steingrímsson über den Ausbruch des Laki-Vulkans 1783/84) mit zeitgenössischen Gedichten (wie den "Cloud Songs" von Bettina Obrecht) sowie Field-Recordings über eine Ätna-Beschwörung mit Dokumenten und Patentschriften aus dem US Patent and Trademark Office zum Geo-Engineering. Sie alle lässt er auf eine Klangwelt aus Soundscapes und irisierenden Atmosphären treffen – von traumverlorenen Landschaften bis hin zu apokalyptischem Unwetter.
Werner Cees Text-Musik-Stück bewegt sich entlang der ambivalenten Utopien von ergebener Naturfaszination und ergiebiger Naturbeherrschung, in denen es die eine richtige Antwort bisher nicht gibt oder auch vielleicht nie geben kann.


Prix Italia für „When Weather was Wildlife“ von Werner Cee


Hörstück erhält die traditionsreiche Trophäe in der Kategorie „Musik“ / 72. Ausgabe des internationalen Wettbewerbs in der italienischen Hauptstadt

Rom/Baden-Baden/Mainz. Bei der Verleihung des Prix Italia in Rom ist die SWR Produktion „When Weather was Wildlife“ von Werner Cee ausgezeichnet worden. Das Hörstück aus dem Jahr 2020 in Redaktion und Dramaturgie von Manfred Hess wurde in der Kategorie „Musik“ prämiert.


The Jury:
Gerhard Krammer (ORF, Austria), Adriana Kramaric (HRT, Croatia), Jesper Dein (DR, Denmark), Silvain Gire (ARTE Radio/ ARTE France, France), Won-Sup Shin (KBS, South Korea), Lia Fiorio (SMRTV, Republic of San Marino), Ivana Komadina (RTS, Serbia), Marie-Claire Doris (BBC, United Kingdom).
The President: Silvain Gire (ARTE Radio/ARTE France, France)
 

"This is an exceptional piece of radio art. The continuing change of pace and texture as well as the mix of poetry, field recordings and original music provides the listener with a deeply moving and nourishing experience. The sounds pour from the radio like a cool record, while carefully chosen texts, voices and musicians as well as the beautifully woven mix of sound and the important statement about climate change make this piece a masterpiece."


Schon einmal für die ARD mit dem Prix Italia geehrt

Bereits 2010 hatte Werner Cee den Prix Italia für die ARD erhalten für sein Musikstück „Winterreise – Featuring Schubert’s Winterreise“. Redaktion und Dramaturgie hatte damals ebenfalls Manfred Hess (Produktion: HR).

Bedeutendste internationale Auszeichnung für Radio, Fernsehen und Internet

Der Prix Italia gilt als älteste und bedeutendste internationale Auszeichnung für Radio, Fernsehen und Internet. Öffentlich-rechtliche und private Radio- und Fernsehstationen aus 45 Ländern sind Partner und ständige Mitglieder des Prix Italia. Die Organisation und Geschäftsführung hat die italienische Rundfunkanstalt RAI. Der 72. Prix Italia findet vom 21.-26. September 2020 in Rom statt. 1948 gegründet, befasste sich der internationale Wettbewerb zunächst nur mit Radio, 1957 kam das Fernsehen dazu, 1998 schließlich Web-Projekte.
http://www.rai.it/prixitalia/

https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/pressemeldungen/swr2-prixitalia-wernercee-104.html

„When Weather was Wildlife“ ist auf SWR2.de, in der SWR2 App und in der ARD Audiothek hörbar.







Territorien 

Hörspiel mit Texten von Wolfgang Hilbig
featuring Isabel Karajan, Michael Wertmüller

In dem Augenblick, da ihn das Blitzlicht traf, hatte er aufschäumende Nebel von schwarzen oder grauen Hieroglyphen zu sehen geglaubt, ein Schneegestöber von Buchstaben, das sich herabsenkte wie Brandqualm … als habe man oben im Himmel eine ungeheuere Bibliothek in die Luft gesprengt.
(…)
Aus der ästhetisch verdichteten Ordnung der Dinge, in der grenzenlosen, radikalen Freiheit von Wolfgang Hilbigs Dichtung leuchten Bilder auf, die in der alltäglichen Realität nicht zu haben sind. 
Deutschlandfunk Kultur 2019

Owning the Weather. Layer 2

Toxic Skies Orchestra Athana/Werner Cee  (NO/DE)
featuring Freddie Wadling

Im Jahr 1784 verfasste der isländische Pfarrer Jon Steingrimsson die erste ausführliche Dokumentation eines Vulkanausbruchs überhaupt. Seine Texte treffen hier auf eine Klangwelt aus bizarren Soundscapes und irisierenden Atmosphären – von traumverlorenen Landschaften bis hin zum apokalyptischen Unwetter. In diesem deutsch-norwegische Kooperationsprojekt kommt es zu einer explosiven Reaktion zwischen Alf Terje Hanas 1000 guitar-Sound, der Klangwelt von Werner Cees e-ch´in und der legendären Stimme des schwedischen Sängers Freddie Wadling.
Lange Nacht der Ars Acustica. SWR 2 2019

Sizilianische Trilogie

I Misteri – Eine italienische Fieldrecording-Oper

featuring Stefania Orsola Garello, Torrent, Giacomo Citicchio

Über Sizilien ist schon so viel Geschichte hinweggegangen, – alles entlädt sich hier im Westen wie in einem Rausch, einem wilden Lebenstheater. Das alltäglich auf den Straßen Palermos zelebrierte Schauspiel, die Mysterien der uralten Karfreitagsprozession von Trapani, äußern sich in einer überbordenden Fülle von Stimmen, Klängen und Geräuschen, Musik, Gesängen und Lärm. 

Eine Betrachtung dieser Kultur aus der nordischen Perspektive kann nur zur Odyssee werden – einen klaren Kurs zu halten, das ist angesichts all der Widersprüche, des turbulenten Lebens, nicht möglich.
SWR 2  2016

La Mattanza

Radiofeature
Thunfische folgen auf ihrem Zug festen Routen. Jedes Frühjahr führt diese Route direkt an den Egadischen Inseln, also an Favignana, vorbei. So konnte hier im Laufe von 900 Jahren eine rituelle Form der Thunfischjagd entstehen, welche der gesamten Region Wohlstand brachte und einen Nährboden schuf, auf dem sich Musik, Dichtung, Gebet, Ritus, soziale Strukturen, kurz: Identität entwickeln konnte – und den Menschen war es unvorstellbar, dass sich dieser uralte Rhythmus von Fischwanderung und Fischfang jemals ändern könnte.
Text/Übersetzung: Bettina Obrecht 
SWR 2  2016

Die Rückkehr der Proserpina – eine Ars Acustica-Pastorale

featuring Umberto Leone
Eine Ars Acustica-Pastorale nach sizilianischen Motiven

Das sizilianische Hinterland ist eine archaische, sonnendurchglühte, ernste Landschaft. Hier befinden sich die Schauplätze von Homers Odyssee und vom Raub der Proserpina, der Tempel der Ceres, die Kulissen allegorischer Gemälde aus der Romantik. Seit tausenden von Jahren ist dieses Land bewohnt und kultiviert, und Spuren der wechselvollen Geschichte sind überall zu finden.

SWR 2  2016

Anthropozän Trilogie

Dry Haze - The Year Without a Summer

featuring The Unthanks, Neville Tranter, Alf Terje Hana

In the year 1816, as a consequence of a vulcanic eruption in Indonesia, dry haze veiled the sky over vast parts of the Northern hemisphere. The dimmed sunlight even had its repercussions in the literary world – it inspired Lord Byron to write his famous poem „Darkness“.
Deutschlandfunk Kultur 2013

The Accidental Paradise

Der Salton Sea liegt unweit der kalifornischen Grenze zu Mexiko und war jahrhundertelang eine Wüste.  Für mehrere Jahrzehnte pulsierte rund um Salton Sea das Leben, bis ein Hochwasser den "American Dream" platzen ließ. Seit den 1980er Jahren finden sich hier erodierte Landschaften, aufgegebene Motels, versunkene Häuser, zerfallene Yachthäfen, tote Strände.
SWR 2 2013
Deutschlandfunk Kultur 2013